Nationalismus des Hasses – Partner des Konzernliberalismus

CTXT trifft Shiva auf dem ehemaligen Industriegelände von Fabra I Coats in Barcelona, wo sie an der Fira Literal de Barcelona teilnimmt, einer Versammlung kritischer Verleger. Die indische Aktivistin war dort der Star in einem Gepräch mit Yayo Herrero vor einem 700-köpfigen Publikum.

Zusammen mit Yayo Herrero geben Sie eine Diagnose der ökologischen Krise. Wie könnten Sie die beschreiben?

Um die ökologischen Krise zu verstehen, muss man als Erstes sehen, dass sie auf unbegrenztem Abbau beruht. Sie tritt ein, weil Konzernrechte und koloniale Rechte vergeben und mit unbeschränkter Macht ausgestattet wurden. Wenn man extraktive Abbaumaßnahmen als Fortschritt darstellt, so verschleiert man damit die Ausbeutung und Verletzung der systemischen Selbstregulierung, durch die Bäume mit Flüssen, Boden mit Landwirtschaft und Biodiversität mit der Vielfalt des Insektenlebens verknüpft sind. Das sind alles grundlegende Verbindungen.

Francisco Varela und Humberto Maturana haben über Autopoesis gesprochen und einen totalen Paradigmenwechsel vorgeschlagen, um uns vor Augen zu führen, dass lebendige Systeme sich selbst organisieren. Extraktivismus zerstört die innere Ordnung lebender Organismen und ihre Beziehungen zu allem anderen Lebenden. Auf diese Weise wird jede Zerstörung als externer, äußerlicher Effekt gesehen. Man zerstört, verbirgt aber die Zerstörung.

Das kommt zum Teil vom kartesianischem Denken und vom mechanistischen Denken eines Roger Bacon. Mechanistisches Denken nimmt Dinge auseinander und gibt dann jedem Einzelteil ein Leben (anstatt das Netzwerk des großen Ganzen zu sehen; Anm.d.R). Wer mit so einem mechanischen Denken ausgebildet wurde, hat es schwer, Beziehungen zu erkennen. Sie sind in einer Wirtschaft des Todes zerstört worden.

Wie würden Sie eine ökofeministische Sichtweise von Yayo Herrero oder einer Denkerin wie Maria Mies definieren?

Ökofeminismus heißt, die Erde ist lebendig, die Erde trägt und erhält das Leben. Es heißt auch, dass Frauen kein passives zweites Geschlecht sind. Sie sind kein Objekt, das man besitzen und kontrollieren kann. Frauen erhalten die Gesellschaft. Ihre Fürsorge und ihr unsichtbares Wirken sind die wahre Wirtschaft, weil sie für Fortbestand und Erneuerung der Gesellschaft sorgen. Sie sind aber auch die Pflegerinnen der Erde, den Frauen ist die eigentliche Pflege anvertraut, die aber nicht als Arbeit zählt. Sie müssen mit der Natur arbeiten. In Indien zum Beispiel sind die Frauen die hauptsächlichen Wasserversorgerinnen. Sie wissen, wann ein Brunnen austrocknet, wenn ein Fluss austrocknet. Da sie mit der Natur arbeiten, sind sie die ersten, die auf die ökologische Krise antworten.

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