Gemeinsame Erklärung zur Verteidigung unserer biologischen Vielfalt, Saatgut- & Ernährungsfreiheit: Widerstand gegen den GVO-Imperialismus

20. März 2024
Titelbild für die gemeinsame Erklärung zur Verteidigung unserer biologischen Vielfalt

Verteidigung unserer Saatgut- und Ernährungssouveränität

Saatgut ist das erste Glied in der Nahrungskette. Es verkörpert unser Erbe und bildet die Grundlage für die künftige Entwicklung des Lebens. Es ist unsere ureigene Pflicht und Verantwortung, unser Saatgut zu schützen und es an künftige Generationen weiterzugeben. Der Anbau von Saatgut und sein freier Austausch unter den Landwirten waren die Grundlage für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und unserer Ernährungssicherheit. Heute ist unsere Saatgutsouveränität durch geistige Eigentumsrechte und neue GVO-Technologien bedroht, die das Saatgut von einem Gemeingut, das von den Landwirten gemeinsam genutzt wird, in eine Ware verwandelt haben, die unter der Kontrolle und dem Monopol von Agrarkonzernen steht. Die Kontrolle über das Saatgut bedeutet die Kontrolle über unser Leben, unsere Nahrung und unsere Freiheit.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden in Ländern auf der ganzen Welt GVO-Kulturen eingeführt, die als Lösung für Ernährungsunsicherheit und die Unterernährungskrise angepriesen wurden. Hunger, Krankheiten und Unterernährung haben jedoch zugenommen, während die biologische Vielfalt zurückgegangen ist und sich Toxine verbreitet haben. Der GVO-Imperialismus hat das Leben und die Lebensgrundlage von Kleinbauern und die biologische Vielfalt in den Ursprungszentren zerstört. Diese Ursprungszentren der biologischen Vielfalt sind die Wiegen der weltweiten Lebensmittelversorgung und zugleich Schutz vor Seuchen, klimatischen Herausforderungen, Naturkatastrophen oder anderen Hindernissen für die
Lebensmittelproduktion.

In Mexiko, dem Ursprungsland des Mais, wie auch in anderen Zentren der biologischen Vielfalt, kämpfen Gesellschaft und organisierte Gemeinschaften seit langem gegen diesen GVO-Imperialismus, der die Lebensgrundlage und die Kultur der einheimischen Bevölkerung bedroht. Durch eine zivilgesellschaftliche Sammelklage gegen die Unternehmen Bayer-Monsanto, Syngenta und Corteva Agriscience wurde ein Verbot des Anbaus von GVO-Mais in Mexiko erreicht. Dieses Verbot ist bis heute in Kraft.

Vor kurzem hat die mexikanische Regierung eine Verordnung erlassen, die ein schrittweises Verbot des Einsatzes von Glyphosat und der Verwendung von genetisch verändertem Mais in Tortillas, einem Grundnahrungsmittel, vorsieht. GVO gefährden den Zugang zu gesunden, nachhaltigen und kulturell angepassten Lebensmitteln, die frei von gentechnisch veränderten Organismen sind. Angesichts dieser Entscheidung hat die US-Regierung auf der Grundlage des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada (USMCA) ein Streitbeilegungsgremium aufgefordert, die Verordnung abzulehnen.

Mexiko ist die Hüterin einer biokulturellen Vielfalt, die sich über Jahrtausende hinweg entwickelt hat und die von Bauern in aller Welt geteilt wird. Mexiko braucht daher dringend unsere Unterstützung und Solidarität im Kampf gegen diesen GVO-Imperialismus.

Überall auf der Welt erheben sich Bürger gegen die unwissenschaftliche, undemokratische und antiökologische Einführung von GVO durch Unternehmen und die US-Regierung. Die erste Generation von GVO ist gescheitert. Doch die Konzerne setzen weiterhin gentechnisch veränderte Organismen oder neue GVO in den Zentren der Vielfalt ein. Sie fahren damit fort, die Natur und ihre biologische Vielfalt als Rohstoffe für Kommerzialisierung und Patentmonopole darzustellen.

Agrarindustrie und Biotech-Giganten versuchen, die Vorschriften zur biologischen Sicherheit zu umgehen, indem sie im Stillen Änderungen an den GVO-Vorschriften überall auf der Welt vornehmen, um diese neuen GVO unter neuen Akronymen wie NBT (New Breeding Techniques), NGT (New Genomic Techniques) oder TEA (Techniques of Assisted Evolution) zu fördern. Diese neuen GVO wurden stillschweigend in die bestehende Agrargesetzgebung verschiedener Länder eingewoben, mit dem Ziel, Patentmonopole nach wie vor in den Händen der großen Chemie- und Biotechnologiekonzerne zu halten.

Widerstand gegen den GVO-Imperialismus

Wir haben das Versagen von GVO aufgedeckt und die Verbreitung von Bt-Baumwolle in Indien, Golden Rice auf den Philippinen, Bt. Brinjal und die gentechnisch veränderte Banane in Indien gestoppt.

Wir werden uns weiterhin gegen den GVO-Imperialismus wehren.

Wir fordern ein Ende der Täuschung und der irreversiblen Kontamination unserer biologischen Vielfalt mit GVO und nun auch mit neuen GVO in Teilen der Welt, die als Ursprungszentrum und Zentrum der biologischen Vielfalt eben dieser Kulturpflanzen anerkannt sind, was eine Bedrohung für die Zukunft der biologischen Vielfalt auf globaler Ebene darstellt.

Wir fordern, dass die Regierungen auf der ganzen Welt diese neuen GVO stoppen, die das Überleben ökologischer und auf biologischer Vielfalt basierender Lebensmittel- und Landwirtschaftssysteme sowie die einheimische Agrobiodiversität direkt bedrohen, indem sie die für GVO geltenden Vorschriften und Sicherheitskontrollen umgehen.

Diese Deregulierung würde es ermöglichen, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen:

  • ohne Prüfung der Umwelt- und Verbrauchersicherheit vermarktet werden
  • keiner Kennzeichnungspflicht unterliegen
  • wenig bis keine Rückverfolgbarkeit haben
  • keiner Offenlegung der gentechnisch veränderten Organismen in der Öffentlichkeit unterliegen
  • massenhaft dereguliert werden
  • ohne Offenlegung patentiert werden

Wir sagen Nein zur Patentierung in der ganzen Welt, vor allem durch diese neuen GVO, die Landwirte und Bürger völlig im Unklaren darüber lassen, was in ihren Lebensmitteln enthalten ist, und die einen Versuch darstellen, souveräne Regierungen, das Übereinkommen über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen und die Gesetze zur biologischen Sicherheit zu untergraben, indem sie aufgezwungen werden.

Wir sind empört darüber, dass die Biotech-Industrie behauptet, ihre gentechnisch veränderten Produkte, einschließlich Saatgut, Pflanzen, Mikroorganismen und Tiere, seien mit deren konventionellen Gegenstücken gleichzusetzen. Diese Deregulierung alter und neuer GVO entbindet die Biotech-Industrie von jeglicher Verantwortung und ist ein weiterer Angriff auf die Ernährungssouveränität.

Wir rufen Menschen, Bewegungen und Regierungen auf der ganzen Welt auf:

  • Lehnt diese Technologien, die ihre Wurzeln in der langen Geschichte des Imperialismus und der Monopolisierung haben, ab.
  • Stoppt die Privatisierung der Natur und verhindert Biopiraterie für Konzernprofite.

Diese Kommerzialisierung der Natur könnte das genetische Gefüge des Lebens radikal verändern und eine Vielzahl ökologischer und biologischer Prozesse, von denen wir abhängig sind, unmittelbar gefährden.

Wir, ein Zusammenschluss von Bewegungen, stehen für die Verteidigung unserer biokulturellen Vielfalt und unseres Lebensmittelerbes in der ganzen Welt, im Widerstand gegen alte und neue GVO.

Mit der Unterzeichnung dieser Erklärung rufen wir Regierungen, Bürger und Bewegungen in jedem unserer Länder, Städte und Gemeinden dazu auf, unseren Kampf zur Verteidigung des Lebens, der Vielfalt und der Freiheit fortzusetzen.

Gemeinsame Erklärung als PDF-Download

Englischer Originaltext mit der Möglichkeit, die Gemeinsame Erklärung mitzuzeichnen

Liste aller Unterzeichner

bild Logos Erstunterzeichner Gemeinsame Erklärung

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